Wenn die Manneskraft nachlässt

Was gemeinhin als die schönste Nebensache der Welt bezeichnet wird, kann für einige Männer zu einem Alptraum werden: Nämlich dann, wenn die Manneskraft zu Wünschen übrig lässt. Belastend nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für dessen Partnerin. Allein in der Schweiz leiden rund 350'000 Männer an Erektionsstörungen.

 

Seit der sexuellen Revolution in den 70ern haben die Industrienationen an Prüderie verloren, der Sexualunterricht hat Einzug in die Schulen genommen, der Umgang mit dem Thema Sexualität an sich ist viel freier geworden - sofern alles funktioniert. Doch ist dies nicht der Fall, hüllen sich auch heute noch viele Betroffene aus Scham, als Versager dazustehen, in Schweigen. Obwohl die Printmedien seit der Einführung der ersten oralen Therapie vor dreieinhalb Jahren einiges zur Enttabuisierung von Erektionsstörungen beigetragen haben, zeigen verschiedene Studien und Umfragen, dass selbst dem Arzt gegenüber nach wie vor eine Hemmschwelle besteht, auf das Thema Impotenz zu sprechen zu kommen. Ebenso lassen manche Ärzte die Frage nach einem erfüllten Sexualleben beiseite, selbst wenn eindeutig Risikofaktoren vorliegen. Gerade weil Erektionsstörungen oftmals Vorboten anderer körperlicher Leiden sind, ist es äusserst wichtig, sie zu thematisieren und ihrer Ursache auf den Grund zu gehen.

Heute sind sich die Spezialisten einig, dass eine Erektile Dysfunktion in den meisten Fällen körperliche Ursachen hat, und den Betroffenen stehen mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Ein stilles Leiden ist seit einigen Jahren absolut unnötig.

 

Rückblick auf 50 Jahre Impotenz-Therapien

Doch zurück zu den wissenschaftlichen Anfängen: Anlässlich des 106. jährlichen Meetings der American Osteopathic Association, das Ende Oktober in San Diego, Kalifornien, stattgefunden hat, sprach Dr. John J. Kowalczyk von der urologischen Abteilung am „Good Samaritan Hospital“ in Los Angeles über die Fortschritte in der Therapie der Erektilen Dysfunktion: In den 50er-Jahren wurden Erektionsstörungen hauptsächlich in den Kopf verbannt – und waren eine Angelegenheit für den Psychotherapeuten. Üblicherweise wurde denn auch eine Sextherapie verordnet. In den 60ern kamen die ersten steifen Penisprothesen auf den Markt, in den 70ern wurden sie durch aufblasbare Modelle und Vakuumpumpen ergänzt. Im Jahre 1985 erweiterten Spritzen das Therapieangebot und endlich, 1998, war erstmals eine Tablette erhältlich. Die Markteinführung von Viagra (Wirkstoff Sildenafil) kam einer Zäsur gleich – war zuvor nur äusserst verhalten und mit grosser Verlegenheit über Erektionsstörungen gesprochen worden, so enttabuisierte die „blaue Pille“ das als Witzsujet beliebte Leiden und wertete es zu einer ernstzunehmenden Erkrankung auf. Neben der empfängnisverhütenden Pille existiert wohl kein anderes Medikament, das derart häufig in die Schlagzeilen – und zwar der unterschiedlichsten Pressesparten – gerät. Als positiv bewertet Dr. John J. Kowalczyk die diskrete, einfache Anwendung der Tablette. Auch die anderen Methoden zur Bekämpfung von Erektionsstörungen sind mit dem besseren Verständnis der Erektionsmechanismen weiterentwickelt worden – Prothesen und Implantate sind zuverlässiger und besser konzipiert, verschiedene neue orale Therapien sollen in den nächsten zwei Jahren auf den Markt kommen.

 

Auch junge Männer sind betroffen

Das Krankheitsbild einer erektilen Dysfunktion tritt häufig auf, häufiger als man annehmen könnte. In der Schweiz leiden rund 350‘000 Männer unter Potenzstörungen, weltweit dürften es über 100 Millionen sein. Oft, aber nicht zwingend, nehmen Erektionsstörungen im Alter zu. Die Ursachen von Erektionsstörungen können sowohl psychisch als auch organisch bedingt sein. Gelegentliche Potenzstörungen können in jedem Alter auftreten und sind nicht abnorm. Oft sind Anspannung, Stress, Müdigkeit, Angst, Unsicherheit oder übermäßiger Alkoholgenuss verantwortlich. Solche Erfahrungen verursachen bei manchen Männern "Versagensängste": Diese führen zu starkem Leistungsdruck, der wiederum die Erektionsprobleme verstärkt. Zu den Ursachen dieser psychisch bedingten Potenzstörungen sind auch Partnernschaftsprobleme zu zählen. In acht von zehn Fällen sind Erektionsstörungen jedoch ein Problem des Körpers. Sie treten als Begleiterscheinung einer bereits bestehenden Krankheit wie zum Beispiel Zuckerkrankheit (Diabetes) oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Schliesslich können sie sich als Folgen einer Operation oder eines Unfalls einstellen (Paraplegie).

   

Die Partnerin spricht mit

Da eine vertrauensvolle erfüllte Sexualität immer von zwei Menschen abhängt, sollte die Partnerin auch mit in die Therapie einbezogen werden. Will der Betroffene nicht darüber reden, kann der erste Schritt auch von ihr kommen. Die Partnerinnenzufriedenheit spielt bei der Beurteilung einer Behandlungsmethode eine wichtige Rolle und darf nicht vernachlässigt werden. Zu Beginn einer jeden Behandlung muss das Eis gebrochen, das Leiden thematisiert werden. Hilfreich für eine differenzierte Diagnose ist eine ausführliche Sexualanamnese. Ein entsprechender Fragebogen zum Erfassen des persönlichen Sexuallebens kann mithelfen, eine Erektionsstörung festzustellen. Der Test ist auch im Internet abrufbar. Zu unterscheiden sind invasive und nicht-invasive Behandlungsmethoden. Zu den letztgenannten gehören Beratung und Psychotherapie, Medikamente, die oral eingenommen werden und Vakuumpumpen. Die invasiven Behandlungsmöglichkeiten umfassen Medikamente, die durch die Harnröhre eingeführt werden, Penisprothesen, Schwellkörper-Injektionen sowie venöse oder arterielle Eingriffe. Im Allgemeinen ziehen die Patienten nicht-invasive Behandlungen vor, die zuverlässig wirken und möglichst geringe Nebenwirkungen aufweisen.

 

Sicherheit der Therapie bei koronarem Risiko

Gerade bei Patienten mit Herzerkrankungen, die häufig auch an Erektionsstörungen leiden, stellt sich die Frage, wie die Betroffenen mit ihrem Leiden umgehen sollen, um weiterhin ein erfüllendes Sexualleben mit ihrer Partnerin geniessen zu können. Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt die Gesundheit des Herzens seines Patienten überprüft. Bei einer 5 – 15 Minuten dauernden sexuellen Aktivität steigt die Herzfrequenz auf bloss 120 – 130 und der Blutdruck erhöht sich kurzfristig auf 150 – 180 mmHg. Der Energieverbrauch ist mit einem 15minütigen Fussmarsch plus dem Zurücklegen von 20 Treppenstufen innerhalb von 10 Sekunden zu vergleichen. Dieser Anstrengung können sich Männer mit geringem Herzrisiko laut Graham Jackson (Kardiologiespezialist am „Duys and St. Thomas“-Spital, London) ruhig aussetzen, selbst wenn zum Erreichen einer Erektion Medikamente eingenommen werden müssen. Neue Studien, die im vergangenen Oktober am jährlichen Meeting der European Society for Sexual and Impotence Research (ESSIR) in Rom präsentiert worden sind, belegen, dass selbst bei Männern mit kardiovaskulärem Risiko eine Sildenafil-Behandlung indiziert ist. Allerdings müsse zuvor eine kardiologische Abklärung durchgeführt werden.

 

Die Erprobte – wirkt vor Ort

Das Medikament, das direkt im Körper - auf die Blutgefässe im Penis - wirkt, ist weder Lust fördernd noch ersetzt es die sexuelle Stimulation. Es ermöglicht vielmehr eine natürliche Erektion. Über eine halbe Million Ärzte haben weltweit über 15 Millionen Patienten mit Viagra behandelt. Durchschnittlich erhält weltweit sechsmal pro Sekunde ein Mann Hilfe durch Viagra. 82 Prozent der Ärzte stufen das Medikament als extrem bis sehr wirksam ein, 70 Prozent als extrem bis sehr sicher. Um regelmässig in den Genuss der wiedererlangten Manneskraft und erfüllter Sexualität zu kommen, ist der wiederholte Gang zum Arzt erforderlich – denn das Präparat ist rezeptpflichtig. Neben Viagra sind andere Produkte erhältlich.

 

“Queen würdigte Viagra”

Jedes Jahr werden in Grossbritannien Unternehmen mit dem Queens Awards for enterprises für hervorragende Errungenschaften in den Kategorien “Internationaler Handel“, „Innovation“ und „nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Die Preisverleihungen finden jeweils im Frühling, um den Geburtstag der Queen herum, statt. Pfizer erhielt im vergangenen Jahr für sein Medikament gegen Erektionsstörungen einen award in der Kategorie „Innovation“.

Mehr Infos erhalten Sie unter http://www.erektionsstoerung.ch

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